Autorin: Katja Michalek

Datum: 27.02.2019
Kategorie: Mindset
Lesezeit: 12 min
Videolänge: –

Autorin: Katja Michalek

Datum: 27.02.2019
Kategorie: Mindset
Lesezeit: 12 min
Videolänge: –

Resilienz – oder:
das Geheimnis von Glück und Erfolg

Habe ich Dich mit diesem Titel neugierig gemacht? Ich hoffe es – denn das war auch meine Absicht. Und dabei ist diese Überschrift mitnichten lediglich ein Lockmittel, oder geschickte Propaganda, im Gegenteil: es ist eine Tatsache, und mein voller Ernst. Aber fangen wir vorne an.

„Vorne“ ist in diesem Fall das Jahr 1977. In eben diesem beschlossen meine Eltern, nach Kenia zu ziehen, um dort an der Deutschen Schule zu arbeiten. Ich war 3 und musste notgedrungen mit. Was das nun mit Resilienz zu tun hat? Gedulde dich bitte ein wenig – ich komme noch dazu.

In Kenia habe ich die zehn besten Jahre meiner Kindheit und Jugend verbracht. Eine der unerwünschten Nebenwirkungen war allerdings eine große Wurzellosigkeit, als ich dann schließlich wieder in Deutschland war. Demzufolge waren die ersten Jahre in meiner neuen, alten Heimat sehr sehr schwierig für mich – aber dank meiner (jetzt kommt es) Resilienz bin ich nicht daran zerbrochen. Ebenso wenig wie an den beiden Herzinfarkten meines Mannes viele Jahre später, und seiner folgenden Berufsunfähigkeit, die unsere Familie (unsere Söhne sind zu dem Zeitpunkt, als ich dies schreibe, 8 und fast 6 Jahre alt) in den Grundfesten erschüttert und unser Selbstverständnis einmal auf links gedreht haben. Dass ich dennoch glücklich bin, und heute sehr erfolgreich als Buchautorin und Mentorin für Gelassenheit und Erfüllung selbstständig bin, verdanke ich (da haben wir sie wieder) meiner Resilienz.

 

Aber was ist Resilienz denn genau?

Unter Resilienz verstehen wir die mentale Widerstandskraft, manchmal auch das seelische Immunsystem genannt. Um zu verstehen, wie Resilienz funktioniert, stelle dir bitte einen Schwamm vor. Wenn du diesen feste zusammendrückst, springt er wieder in seine Form zurück, richtig? So verhält es sich mit uns Menschen auch, wenn wir resilient sind – nach Drucksituation, Krisen oder schwierigen Lebensphasen richten auch wir uns wieder auf und „springen“ mental in unsere alte Form wieder zurück. Manche Menschen können das besser, andere schlechter – und manche zerbrechen daran.

Anders ausgedrückt: Resilienz ist wie ein inneres Spinnennetz, dass uns auffängt und immer wieder auf die Füße stellt, wenn wir gefallen sind. Die sieben Fäden sind bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt, hängen aber zusammen und stützen sich gegenseitig. Wenn ein Faden also dünner ist, ist das in der Regel nicht so schlimm – wenn mehrere aber dünner werden oder gar reißen, kann das verheerende Folgen haben

Wichtig zu wissen ist, dass Resilienz nie statisch ist: wenn du ein Leben führst, in dem deine ständig gefordert ist (beispielsweise, indem du in einem krankmachenden Umfeld lebst oder arbeitest), wird dein Inneres Spinnennetz das eine ganze Zeitlang abfedern können. Wenn du es aber nicht pflegst und auf deine Resilienz acht gibst (oder diese gezielt stärkst), werden die Fäden mit der Zeit aber dünn und dünner – bis sie irgendwann reißen.

 

Und was sind die sieben Fäden?

Impulskontrolle:

Impulskontrolle bezeichnet die Fähigkeit, die evolutionär begründeten Reflexe „Kampf“ oder „Flucht“ zu kontrollieren. Dein Kunde schreit dich an? Eine „natürliche“ Reaktion wäre es, zurückzuschreien (oder zuzuschlagen), oder aber wegzurennen. Dies zu kontrollieren und sich bewusst für eine Handlung zu entscheiden, ist der erste Faden des Resilienznetzes.
Dazu gehört aber auch die Fähigkeit, einer Versuchung zu widerstehen – sei es der Verlockung des Stücks Schokolade, oder die Aussicht auf ein spannenderes Projekt, bevor das alte abgeschlossen ist. Oder aber der Versuchung, aufs piepsende Smartphone zu schauen, obwohl du eigentlich gerade das Abendessen mit deiner Familie genießen willst…

Emotionssteuerung:

Egal wie gut du dich zusammenreißen kannst: wenn dich jemand anschreit, berührt dich das emotional auf eine bestimmte Art und Weise – du wirst wütend, enttäuscht, verletzt sein. Und wenn du es nicht schaffst, diese negativen Emotionen bewusst und absichtlich ins Positive zu steuern, wirst du irgendwann buchstäblich platzen.

Zielorientierung:

Darunter verstehen wir die Fähigkeit von resilienten Menschen, sich, zu ihnen passende, Ziele zu setzen und auf diese hinzuarbeiten (Impulskontrolle hilft dir dann dabei, die Selbstdisziplin und das Durchhaltevermögen aufzubringen, die nötig sind, um hohe Ziele auch zu erreichen). Aber auch die Fähigkeit, von Zielen wieder Abstand zu nehmen, wenn sie nicht mehr zur derzeitigen Lebenssituation passen, ohne dies als Aufgeben zu betrachten, gehört im resilienten Sinne zur Zielorientierung.

Empathie:

Jeder Mensch von uns braucht andere Menschen um sich herum, die ihn unterstützen, wenn es schwierig wird. Die Grundlage, um verlässliche Unterstützer und Helfer zu finden, ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen – denn stabile menschliche Bindungen basieren auf Geben und Nehmen.
Gleichzeitig ist für langfristigen Erfolg und Glück aber auch die Fähigkeit zur Selbstliebe elementar wichtig, denn nur wenn du gut auf deine wichtigste Ressource (nämlich dich selbst) acht gibst, wirst du den Dauerlauf, der sich Leben nennt, auch unversehrt überstehen können.

Selbstwirksamkeitsüberzeugung:

Egal, wie gut du dir Ziele setzen kannst, egal, wie diszipliniert du daran arbeitest, und ganz egal, wie viele Unterstützer du hast: wenn du nicht an deine eigenen Fähigkeiten glaubst, wirst du diese Ziele auch nicht erreichen. Und das ist Selbstwirksamkeitsüberzeugung: das Vertrauen darauf, dass du das, was es braucht, um erfolgreich zu sein, in dir trägst.

Optimismus:

Ein weiterer Punkt, den wir nicht außer acht lassen sollten, ist das Vertrauen darauf, dass alles gut wird – Optimismus eben. Wohlgemerkt in realistischem Maße (es wird natürlich nicht alles einfach nur gut, wenn du es dir einfach nur wünschst. Aber Optimismus ist das Vertrauen darauf, dass das letzte Quäntchen Glück, das du brauchst, schon dazu kommt, wenn du deinen Teil getan hast).

Kausalanalyse:

Und schließlich ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion ein wichtiger Bestandteil der Resilienz, denn: egal, wie zielorientiert du handelst, und egal, wie groß dein Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten und dein Glück ist, kann dennoch immer mal etwas schief gehen. Zu reflektieren, woran das lag (und was du vielleicht in Zukunft anders machen kannst), nennt man Kausalanalyse.

 

Wie stark ist deine Resilienz - und pflegst du sie?

Beim Durchlesen wirst du bestimmt schon überlegt haben, wie stark die einzelnen Fäden bei dir ausgeprägt sind. Und bestimmt wirst du das ein oder andere Mal gedacht haben, „so schlimm ist es ja gar nicht“. Und das ist auch gut so! Wir sind alle resilient (die einen mehr, die anderen weniger). Und in guten Zeiten wird unsere Resilienz auch nicht auf den Prüfstand gestellt. Aber je größer der Druck von außen wird, desto mehr nagt dieser an deinem Inneren Spinnennetz, ohne dass du das merkst. Und gerade in Phasen von großem Druck hast du in der Regel auch wenig Zeit, dich mit dir selbst zu befassen. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig zu kümmern, die eigenen Stärken und Herausforderungen gut zu kennen, und Strategien dafür zu entwickeln, wie du deine Fäden stark machen (oder halten) kannst. Das wird dir sehr zugute kommen, wenn es hart auf hart kommt, glaube es mir – denn wenn du es bis dahin nicht getan hast, ist es dann vielleicht zu spät.